Lichtplastik von Dr. Almut ScheperjansDas Prinzip der krustigen, aufbrechenden und durchbrochenen Oberflächen, das Experiment mit den unterschiedlichen Materialien und deren Verhaltensweisen, zeigt sich in den Skulpturen von Almut Scheperjans. Sie arbeitet mit Plastik und Kunststoffrohren, die manchmal zusammengesetzt sind und im oberen Teil aus der Mittelachse kippen und so ein Moment der Instabilität einbringen.

Aufgeschnittene, aufgebogene, geschmolzene Teile wirken wie Verletzungen. Dies wird noch durch Infusionsschläuche verstärkt, die die Säulen umschlingen oder wie Antennen in den Raum greifen.

Weiß der Betrachter nicht, um was für Schläuche es sich handelt, bleibt doch die skulpturale Spannung von primär Raum ausschließender Säulenform und in den Raum greifenden Lichtadern. Denn Licht spielt eine große Rolle in diesen Skulpturen.

Erscheint uns eine dunkle Säule "vorne" wie ein Fetisch aus fernen Ländern, ringsum bespickt mit Drahtstacheln, öffnet sich "hinten" ein Hohlraum, durch den die Drähte ihre Verbindungslinien ziehen, beleuchtet von unten, so in magisches Licht getaucht.

Manche Säulen haben figuralen Charakter, sind auch noch eng mit Draht umwickelt, so haben sie sich nach oben geweitet, geblüht, und die unterschiedlichen Schläuche umgeben sie auf der Bodenfläche, als wären sie gerade abgestreift worden.

In ihren Arbeiten bricht eine Flut durchsichtiger Schläuche aus den bemalten, zerstörten Körpern hervor, wie sich auffasernde Nervenbündel tasten sie sich zu einer daneben stehenden Arbeit, die ebenfalls im oberen Bereich geschmolzen zerstört ist.

Das Spiel mit den Materialien, das Experiment und vor allen Dingen das Zulassen von Zufälligkeiten und das Erkennen der ästhetischen Qualität dieser Zufälligkeiten prägen die Skulpturen von Almut Scheperjans.

Gisela Schneider-Gehrke